Der Anfang
Von Alemannen, Rätern, Kelten und Römern

Wer ist der Boss?
Wechselnde Herrscher
im Mittelalter

Die Habsburger
Neue Herren im Land

Unruhige Zeiten
Zentralismus, Fremdherr- schaft und Revolution

Kampf um die Selbständigkeit
Von der Revolution 1848 zur Verfassung

Selbständiges Land
Vorarlberg erreicht
sein Ziel

Im 20. Jahrhundert
Aufschwung in Selbstbewusstsein
 

Vorarlberger G'schicht

Wer ist hier der Boss?

Alemannen im Unterland - Räter im Oberland
Nachdem die Römer sich aus der Weltgeschichte zu verabschieden begannen, geriet der rätische Teil Vorarlbergs kurzfristig in die Hände des Ostgoten Theoderich vulgo Dietrich von Bern, der den vom Frankenkönig Chlodwig geschlagenen Alemannen eine neue Heimstatt in Rätien bot; damit konnten sich diese endgültig im Unterland breit machen. (Schon kurze Zeit später übernahmen aber die Franken die Regie in Vorarlberg.) Bis um 700 drangen die Alemannen bis nach Hohenems vor und besiegelten damit die Zweiteilung in das alemannische Unter- und das rätische Oberland.

Lustenau regiert die Welt
Im 8. Jahrhundert ging die Selbständigkeit der Alemannen allmählich verloren, und das Unterland kam nach 780 unter die Kontrolle der Franken in Person eines gewissen Ulrich, seines Zeichens Schwager eines gewissen Karl des Großen. Das rätische Oberland zog es vor selbständig bleiben, schaffte das aber auch nur bis 806, als ein kaiserlicher Vertrauensmann mit dem klingenden Namen Hunfried das ohne lange nachzufragen änderte. So wurde Vorarlberg auch zeitweise Gaststätte für die fränkische High Society: 823 besuchte König Lothar - der spätere Kaiser - Rankweil, und Kaiser Karl der Dicke verweilte einige Zeit in Lustenau. Es kann also mit Fug und Recht behauptet werden, dass Lustenau zu jener Zeit Hauptdorf Europas und damit ein früher Vorläufer Brüssels war ...

Ulriche und Burkarden - ein tolles Team
Doch auch die fränkische Herrschaft hielt nicht ewig, und mit deren Abstieg ging der Aufstieg kleinerer geistlicher und weltlicher Würdenträger einher. Hunfrieds Nachfolger, die "Burkarden", beherrschten  Rätien, die Ulriche - auch "Udalrichinger" genannt - das Unterland. Die Burkarden dürften ganz umgängliche Leute gewesen sein. Immerhin erreichten sie 888 kurzfristig die Wiedervereinigung der beiden Landesteile, erneuerten 917 sogar das alemannische Herzogtum, welches sie in Personalunion mit Rätien beherrschten und setzten noch eins drauf, indem sie sich mit ihren politischen Kontrahenten aussöhnten. So wurde Ulrich zum Grafen von Rätien und zum Grafen von Bregenz. Nach und nach verloren die Burkarden allerdings ihre Machtposition, sodass die schon erwähnten Ulriche an ihre Stelle traten - und Vorarlberg damit immerhin von Verwandten des Kaisers regiert wurde. In diese Zeit fällt auch die Erweiterung des Siedlungsgebietes durch Rodungen im Bregenzerwald, im Montafon, im Klostertal und im Großen Walsertal.

Die Montforter sind da!
Das Aussterben der Bregenzer Grafen brachte erneut einen Wechsel der Herrschaft mit sich: Rudolf, der letzte seiner Art, hatte keinen männlichen Nachfolger in die Welt gesetzt, dafür aber eine Tochter, die Herrn Hugo von Tübingen zu ehelichen geruht hatte. Selbiger fackelte nicht lange, riss sich Vorarlberg unter den Nagel und übergab es 1182 erbschaftsbedingt an seinen Sohn, der logischerweise Hugo der Jüngere hieß. Seinem Namen fügte er das Adelsprädikat "von Montfort" hinzu (was ja auch tatsächlich besser klingt). Er gilt nicht nur als Gründer Feldkirchs, unter ihm dürfte auch Bregenz aufgeblüht und damit der Wettbewerb zwischen den beiden Städten angelaufen sein.

Montfort geht, das Land zerfällt, Habsburg kommt
In der Folgezeit brachte nicht nur die Italien-Politik des Reiches das Land in Schwierigkeiten, sondern auch die Teilungspolitik der Montforter. Diese teilten sich nämlich 1258 in eine Werdenberger Linie im Oberland und eine Montforter Linie im Unterland. Und weil sie gerade dabei waren, teilten sie 1260 gleich noch einmal. Die großen Profiteure dieser Teilungen waren die Habsburger, die so leichteres Spiel in ihrem Bestreben hatten, ihren Fuß in die Vorarlberger Tür zu stellen, um ihre Stammlande in der Schweiz und Südwestdeutschland mit ihren neuen Landen im heutigen Ostösterreich zu verbinden. Weitere Teilungen im 14. Jahrhundert zerrissen das Land noch mehr.

Adel am Abstieg, dafür Freiheit für Bürger und Bauern
Dieser Niedergang des Adels und des Rittertums hatte aber doch auch Vorteile - für das Bürgertum nämlich. Ungewöhnlich für damalige Verhältnisse war der hohe Grad an Freiheit von Bürgern und Bauern, der in Vorarlberg anzutreffen war. Die Walser, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts als Söldner ins Land geholt worden waren, verstärkten dieses Phänomen, da ihnen persönliche Freiheit zugesichert worden war. Ortschaften verwalteten sich selbst und gehörten ihrerseits Gerichtsbezirken an, die der Rechtsprechung und Landesverteidigung dienten. Diese Gerichte wieder schlossen sich zu "Ständen" zusammen, einer Volksvertretung, die nur aus Bürgern und Bauern bestand. Herrschaftlicher Willkür war damit ein Riegel vorgeschoben und die Grundlage für die bis ins 19. Jahrhundert geltende ständische Verfassung gelegt.

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